November 2023: Reisebericht Felicia Schaffner
Reisebericht Felicia Schaffner, November 2023
Kathmandu
Im November reiste ich zum siebten Mal nach Nepal. Viele Fragen waren während des letzten Jahres aufgetaucht, es gab Mutationen bei den Lehrern der Primarschule Poyan. Zudem wollte ich einige klärende Gespräche vor Ort führen, denn die Vorgaben und der Einfluss der Vorsteherschaft des Distrikts waren teilweise unklar und nur schwer zu verstehen. Da spielt die Zugehörigkeit zu den verschiedenen politischen Parteien eine sehr grosse Rolle, die Beweggründe für Entscheidungen sind für uns oft schwer nachvollziehbar.
Baween Raj Tandukar vom HT arbeitet einen Vertrag aus, der möglichst identisch sein wird wie derjenige für die staatlichen Lehrer. Kontaktperson für die Anstellung ist Changkha Thokar, der neue Head Teacher von Poyan. Die Stelle wird öffentlich ausgeschrieben. Mögliche Kandidaten werden eingeladen, absolvieren einen schriftlichen und einen mündlichen Test, zudem halten sie eine Probelektion. Changkha Thokar rechnet am Schluss mit 2-3 geeigneten Kandidaten. Die endgültige Selektion wird dann die Schulbehörde von Poyan vornehmen.
Treffen mit den Studenten
Funuru Sherpa, unser Kontaktmann in Nepal, hatte wieder die in KTM Studierenden zu einem Treffen eingeladen. Es ist schön zu sehen, wie sich meine ehemaligen kleinen Primarschülern aus dem Bergdorf Poyan zu jungen, selbstbewussten städtische Erwachsene gemausert haben. Nach Tee und Kuchen folgte das Verlesen eines Briefes mit anschliessender Übergabe an die NF mit dem dringenden Wunsch, die Stipendien mögen doch erhöht werden. Das Leben in Kathmandu ist erheblich teurer geworden.
Poyan
Besuch in der Primarschule
Der Empfang in der Basic Primary School Poyan war herzlich wie immer. Das Begrüssungs - Zeremoniell fand im neuen Teacher’s Office statt.
Der neue Headteacher Changkha Thokar hat die ganze Zeremonie souverän geleitet, er legt auch Wert auf Kreativität bei den Schülern, wie Musik oder Zeichnen und Malen.
Anschliessend besuchten wir das neue Schulgebäude, das 2020 errichtet worden war. Es wird nicht für den Unterricht verwendet. Das Government hatte dieses neue Gebäude wohl finanziert, aber für den Innenausbau und die sanitären Anlagen reichte das Budget nicht. Das Gebäude wird in absehbarer Zeit durch das Government fertig gestellt und muss im gleichen Zug auch gleich saniert werden – das ist Nepal!
Sumitra Rai, eine der Lehrerinnen, wohnt mit ihrer Familie in einem der beiden Räume des Govenmental Building, dies allerdings äusserst bescheiden. Der Raum ist kahl, feucht, unwohnlich. Fenster und Unterdach sind wohl bei der Planung untergegangen. Ich habe unseren Kontaktmann Funuru Sherpa wiederholt wissen lassen, dass die Stiftung weder Interesse noch Anlass hat, sich am Ausbau dieses Gebäudes zu beteiligen.
Ein nächstes Projekt für die Primarschule Poyan wäre ein Neubau von Toilettenanlagen. Es soll aus zwei Toiletten für Schüler bzw. Schülerinnen bestehen, zudem eine Toilette für Lehrer und eine warme Dusche. Die Municipality wird einen Teil übernehmen, möglicherweise übernimmt die NF einen Teil der Kosten. Zudem sollten die beiden sehr steilen, gefährlichen Treppen durch einen weniger steilen Aufgang ersetzt werden.
Die neue Strasse
Von Tamdara her ist der Bau der Strasse schon richtig weit vorangekommen. Den ganzen Tag hindurch hört man Sprengungen, von der Armee vorgenommen, und das Kollern von Felsbrocken, es wird fleissig gebaut. Der alte Weg kann immer noch begangen werden, er wird von den Mulis benutzt und ist entsprechend matschig. Ein Schüler aus Tamdara macht diese Strecke jeden Tag. Wenn gesprengt wird, sperren Soldaten den Weg zur Sicherheit.
Auch von Surkey her wird eifrig gebaut. Der Strassenbau wird vorangetrieben, da in Surkey ein neues Wasserkraftwerk entstehet. Alle Materialien und Personen sollen via neue Strasse transportiert werden. Die genaue Strassenführung durch Poyan ist noch nicht festgelegt, damit wartet man bis die Strasse bei Poyan angekommen ist. Welche Lärmbelastung und Gefahr für die Poyaner und ihre Gebäude bestehen wird, ist nur vage auszudenken. Poyan erhofft sich mit der unmittelbaren Nähe der Strasse einen wirtschaftlichen Aufschwung, man wird sehen.
Besuch im Gesundheitsposten Poyan
Die Nurse Fulamu Sherpa berichtet, die Grippe – oder eine Corona-Variante- sei wieder im Anmarsch, deshalb werden wieder vermehrt Masken getragen. Sie bezeichnet die letzten Monate als recht busy, im letzten Monat wurden 78 Patienten behandelt, die meisten kamen wegen Grippe, Family Planning oder Blutdruckmessungen. In Poyan sind im Moment sieben Babys im Alter von 4 bis 22 Monaten. Eine Poyanerin ist schwanger.
43 Medikamente werden dem HP vom Health Department gratis zur Verfügung gestellt. Bei 50% der Medikamente läuft im Durchschnitt das Datum ab, sie müssen vernichtet werden. Die abgelaufenen Medikamente werden zum Teil verbrannt.
Auf der Wunschliste des HP stehen neben einem Computer noch 2 Bahren und die Befüllung der First Aid Box für die Schule. Darin sollen nur Verbandstoffe und Desinfektionsmittel für kleinere Unfälle vorhanden sein, für grössere Verletzungen ist der Health Post zuständig.
Im Frühjahr 2024 ist wieder ein Dental Camp geplant. Durch dieses Projekt erhalten die Bewohner von Poyan die Gelegenheit für eine kostenfreie Zahnbehandlung. Eine befreundete nepalesische Zahnärztin aus dem Umfeld der Stiftung wird zusammen mit ihrem Ehemann und einer befreundeten Zahnärztin die Zahnbehandlungen vornehmen. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich. Die Reisekosten ab KTM, Verpflegung und Unterkunft während des Camps sowie andere anfallende Spesen werden durch die Stiftung übernommen.
Besuch an der HSS Chaurikharka
Auf dem Weg nach Lukla machten Funuru und ich noch einen kurzen Besuch in der Sekundarschule. Wir wurden in der neuen Dining Hall empfangen, alle Schüler, einige Lehrer und der Head Master Kumar Sing Rai waren anwesend. Dieses neue Gebäude ist wirklich schön, sonnig, die Küche ist gut eingerichtet. Die Schüler machten einen fröhlichen, zufriedenen und gesunden Eindruck. Die Aktivitäten der Schule sind vielfältig, die Schüler werden auch in den Alltag, z.B. ins Kochen, Einkaufen in Lukla eingebunden.
Fazit der Reise
Nach meiner Meinung ist es notwendig, dass ein Vertreter der NF einmal pro Jahr nach Nepal und auch nach Poyan reist. Dies um auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben, wenn nötig neue Impulse oder Ansichten mitzuteilen und um Präsenz zu markieren. Der persönliche Kontakt zu den Beteiligten wie Funuru Sherpa, dem Himalayan Trust, der Lehrerschaft von Poyan, zu den Schülern und Studenten sowie zur Bevölkerung ist extrem wichtig.






